FAQ zur Unfallversicherung.

Allgemein

Was ist ein Unfall im UVG (Angestellte, Arbeitgeber)?

Als Unfall gilt laut Gesetz «die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat» (Artikel 4 ATSG). Die Bezeichnung «ungewöhnlich» bezieht sich auf die äussere Ursache, nicht aber auf die vielleicht aussergewöhnlichen, schwerwiegenden Folgen. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des Üblichen in einem Lebensbereich überschreitet. Bestimmte Verletzungen werden wie Unfälle betrachtet. Es sei denn, eine Erkrankung oder Degeneration ist die Ursache (UVV 9, Absatz 2). 

Welche Leistungen gewährt die Kantonale Unfallversicherung (KUV)?

Sachleistungen

Heilbehandlung

Der Versicherte hat Anspruch auf eine zweckmässige medizinische Behandlung der Folgen eines Unfalls. Die KUV vergütet die Kosten für:

  • die ambulante Behandlung (z. B. Arzt, Zahnarzt, Physiotherapie)
  • die Behandlung, Verpflegung und Unterkunft in einem Spital (allgemeine Abteilung)
  • Arzneimittel und Analysen
  • ärztlich verordnete Nach- und Badekuren
  • der Heilung dienende Mittel und Gegenstände (z. B. Krücken)

Es besteht freie Arzt- und Spitalwahl.

Hilfsmittel

Die KUV übernimmt die Kosten für Hilfsmittel, mit denen der Versicherte körperliche Schäden oder Funktionsausfälle ausgleichen kann (z. B. Prothesen, Hörgeräte).

Sachschäden

Die KUV vergütet Schäden an Gegenständen, die einen Körperteil oder eine Körperfunktion ersetzen (z. B. Schäden an bestehenden Prothesen). Für Brillen, Hörapparate und Zahnprothesen besteht ein Ersatzanspruch nur dann, wenn der Unfall neben dem Sachschaden auch einen behandlungsbedürftigen Körperschaden zur Folge hat.

Reise-, Transport- und Rettungskosten

Die KUV vergütet die notwendigen Reise-, Transport- und Rettungskosten der verunfallten Person (einschliesslich Such- und Bergungskosten). Im Ausland entstehende Rettungs-, Bergungs-, Reise- und Transportkosten werden bis zu 20 % des maximal versicherten Jahresverdienstes erstattet (aktuell höchstens CHF 29`640.–).

Im Todesfall: Überführung der Leiche und Bestattung

Die KUV erstattet in der Regel die notwendigen Kosten für die Überführung der Leiche an den Bestattungsort. Die Bestattungskosten werden ebenfalls vergütet. Sie dürfen das Siebenfache des maximal versicherten Tagesverdienstes aber nicht übersteigen (aktuell 7 × CHF 406.– = CHF 2842.–).

Geldleistungen

Taggeld

Der Versicherte hat Anspruch auf ein Taggeld, falls er durch den Unfall ganz oder teilweise arbeitsunfähig ist. Die KUV zahlt in der Regel an den Arbeitgeber. Bei voller Arbeitsunfähigkeit entspricht das Taggeld 80 % des versicherten Verdienstes. Der maximal versicherte Verdienst beträgt aktuell CHF 148`200.– (CHF 406.–/Tag). Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird das Taggeld angepasst. Das Geld wird ab dem 3. Tag nach dem Unfalltag gezahlt. Der Anspruch erlischt spätestens, wenn der Versicherte wieder voll arbeitsfähig ist. Oder mit dem Beginn einer Invalidenrente.

Invalidenrente

Der Versicherte hat Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn er durch den Unfall invalid geworden ist. Als invalid gilt, wer voraussichtlich bleibend oder für längere Zeit in der Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt ist. Um den Invaliditätsgrad zu bestimmen, werden zwei Grössen miteinander verglichen:
a. Das Einkommen, das der Versicherte nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität (und nach allfälligen Massnahmen zur Wiedereingliederung) durch eine zumutbare Tätigkeit [bei ausgeglichener Lage auf dem Arbeitsmarkt] erzielen könnte.
b. Das Erwerbseinkommen, das er erzielen könnte, wenn er nicht invalid geworden wäre.

Beispiel: Nach einem schweren Unfall kann ein Polizist nur noch einfache Büroarbeiten verrichten. Er verdient damit CHF 50 000.–. Ohne Unfall würde er CHF 100 000.– verdienen. Der Invaliditätsgrad beträgt 50 %. Die Invalidenrente beträgt bei Vollinvalidität 80 % des versicherten Verdienstes. Bei Teilinvalidität fällt sie entsprechend geringer aus. Wenn sich der Invaliditätsgrad erheblich ändert, wird die Rente bis zum AHV-Alter entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben.

Integritätsentschädigung

Erleidet der Versicherte durch Unfall oder Berufskrankheit eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, gewährt die KUV eine Entschädigung. Diese Entschädigung ist eine Kapitalleistung, abgestuft nach der Schwere des Schadens. Sie wird unabhängig von einer allfälligen Invalidenrente gezahlt. Die Entschädigung darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen (aktuell CHF 148`200.–).

Hilflosenentschädigung für Invalide

Benötigt ein Versicherter wegen Unfall oder Berufskrankheit im Alltag dauernd die Hilfe Dritter, erhält er zusätzlich zur Invalidenrente eine Hilflosenentschädigung. Die Höhe bemisst sich nach dem Grad der Hilflosigkeit. Die Entschädigung beläuft sich monatlich auf mindestens den doppelten und höchstens den sechsfachen Höchstbetrag des versicherten Tagesverdienstes. (Bei einem maximal versicherten Tagesverdienst von aktuell CHF 406.– sind dies zwischen CHF 812.– und CHF 2436.– im Monat.)

Hinterlassenenrente

Wenn der Versicherte an den Folgen eines Unfalles oder einer Berufskrankheit stirbt, erhalten die Kinder Hinterlassenenrenten. Unter bestimmten Voraussetzungen hat auch der überlebende beziehungsweise geschiedene Ehegatte Anspruch. Witwen oder Witwer erhalten 40 % des versicherten Verdienstes, Vollwaisen 25 %, Halbwaisen 15 %. Alle zusammen erhalten jedoch höchstens 70 %. Ausserhalb dieses Rahmens von 70 % stehen einem rentenberechtigten geschiedenen Ehegatten 20 % des versicherten Verdienstes zu. Ein geschiedener Ehegatte ist dann rentenberechtigt, wenn ihm der Verunfallte Unterhalt zahlen musste. Die zusätzliche Rente darf den geschuldeten Unterhaltsbeitrag nicht übersteigen.

 

 

Wie bin ich bei einem Spitalaufenthalt versichert?

Versichert sind die Kosten in der allgemeinen Abteilung in Spitälern der ganzen Schweiz.

 

 

Wie bin ich im Ausland versichert?

Die Unfallversicherung ist weltweit gültig. Es gelten bestimmte Höchstbeträge:

Heilbehandlung

Die KUV zahlt höchstens den doppelten Betrag der maximalen Kosten in der Schweiz.

Reise-, Transport- und Rettungskosten

Bis zu 20 % des maximal versicherten Jahresverdienstes werden vergütet (aktuell höchstens CHF 25 200.–).

Überführung der Leiche im Todesfall

Die KUV zahlt höchstens 20 % des maximal versicherten Jahresverdienstes (aktuell bis CHF 25 200.–).

Bestattungskosten

Die KUV übernimmt höchstens das Siebenfache des maximal versicherten Tagesverdienstes (aktuell 7 × CHF 346.– = CHF 2422.–).

 

 

Kann ich bei der KUV eine Zusatzversicherung abschliessen?

Nein. Zusatzversicherungen müssen Sie bei einer Krankenkasse oder einer Privatversicherung abschliessen.

 

 

Wie kann ich den Unfall-Versicherungsschutz verlängern (etwa bei unbezahltem Urlaub oder Stellenwechsel)?

Indem Sie eine Abredeversicherung abschliessen.


 

In welchen Fällen kürzt die KUV die Versicherungsleistungen?

Absicht

Hat der Versicherte den Gesundheitsschaden oder den eigenen Tod absichtlich herbeigeführt, besteht kein Anspruch auf Leistungen. Ausnahme: die Bestattungskosten.

Grobe Fahrlässigkeit

Wenn ein Versicherter einen Unfall grob fahrlässig herbeiführt, kürzt die KUV bei Nichtberufsunfällen die Taggelder für die ersten zwei Jahre nach dem Unfall.
Grob fahrlässig handelt, wer elementare Vorsichtsgebote nicht beachtet. Das sind Gebote, die jeder verständige Mensch in der gleichen Lage und unter gleichen Umständen befolgt hätte, um eine voraussehbare Schädigung zu vermeiden.

Vergehen und Verbrechen

Hat der Versicherte den Unfall verursacht, während er nicht vorsätzlich ein Verbrechen oder Vergehen beging, kann die KUV die Geldleistungen kürzen. Im besonders schweren Fall wird sie die Leistungen sogar verweigern. Verbrechen sind Taten, die mit einer Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren geahndet werden. Vergehen sind Taten, für die es bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe gibt.

Aussergewöhnliche Gefahren

Die KUV verweigert alle Leistungen für Nichtberufsunfälle, wenn sich der Versicherte einer aussergewöhnlichen Gefahr aussetzt. Beispiele:
a. Militärdienst im Ausland
b. Teilnahme an kriegerischen Handlungen, Terrorakten und bandenmässigen Verbrechen.

Die KUV kürzt die Geldleistungen mindestens um die Hälfte bei Nichtberufsunfällen, die sich ereignen
a. wenn sich der Versicherte an Raufereien und Schlägereien beteiligt. Es sei denn, er wird als Unbeteiligter durch die Streitenden verletzt. Oder bei Hilfeleistung für einen Wehrlosen.
b. wenn sich der Versicherte einer Gefahr aussetzt, indem er andere stark provoziert.
c. wenn der Versicherte an Unruhen teilnimmt.

Wagnisse

Wenn der Versicherte einen Nichtberufsunfall durch ein Wagnis mitverschuldet, kürzt die KUV die Geldleistungen um die Hälfte. Im besonders schweren Fall wird die Versicherung die Leistungen sogar verweigern. Ausnahme: Eine Rettungsaktion zugunsten anderer Menschen ist auch dann versichert, wenn die Handlung an sich ein Wagnis ist.
Wagnisse sind Handlungen, mit denen sich der Versicherte einer besonders grossen Gefahr aussetzt, ohne das Risiko auf ein vernünftiges Mass zu beschränken.

Folgende Aktivitäten gelten zurzeit als Wagnisse (die Aufzählung ist nicht abschliessend): 
• Reise nach Pakistan: Entführung
• Dirt-Biken
• Ungesichertes Hochklettern: Absturz aus fünf Meter Höhe
• Kopfsprung aus vier Meter Höhe in unbekannt tiefes Wasser
• Basejumping
• Bewusstes Zertrümmern von Glas
• Fullcontact-Wettkämpfe (z. B. Boxkämpfe)
• Karate extrem (Zertrümmern von Back- oder Ziegelsteinen oder dicken Brettern mit Handkante, Kopf oder Fuss)
• Autocross-, Berg-, Rundstrecken-, Stockcarrennen inklusive Training; Autorally-Geschwindigkeitsprüfungen; Autofahrten auf Rennstrecken, ausgenommen Fahrsicherheitskurse
• Motorradrennen inklusive Training; Motocrossrennen inklusive Training auf Rennstrecken; Motorradfahrten auf Rennstrecken, ausgenommen Fahrsicherheitskurse
• Motorbootrennen inklusive Training
• Abfahrtsrennen mit Mountainbikes inklusive Training auf Rennstrecken (sogenanntes Downhill-Biking)
• Quadrennen inklusive Training
• Rollbrettabfahrten, sofern wettkampfmässig oder auf Geschwindigkeit betrieben
• Schneemotorradrennen (Snow-Cross) inkl. Training
• Ski-Geschwindigkeitsrekordfahrten
• Speedflying
• Tauchen in einer Tiefe von mehr als 40 Metern
• Hydrospeedriverboogie (Wildwasserfahrt, bäuchlings auf Schwimmbob liegend)

Manche Sportarten oder Tätigkeiten sind an sich voll gedeckt. Wenn der Versicherte bei einer solchen Sportart aber grosse Risiken eingeht und die üblichen Regeln oder Vorsichtsgebote in schwerwiegender Weise missachtet, kürzt die KUV die Leistungen ebenfalls um 50 %.

 

 

 


 

 

Abredeversicherung

Wer kann eine Abredeversicherung abschliessen?

Alle Angestellten, die durch den Arbeitgeber für Nichtberufsunfälle (NBU) versichert sind und ihre Unfallversicherung verlängern wollen. Gegen NBU versichert sind alle Angestellten, wenn die wöchentliche Arbeitszeit beim selben Arbeitgeber mindestens 8 Stunden beträgt. (Lehrpersonen mindestens 6 Lektionen.)

Alle übrigen Angestellten sind nur gegen Berufsunfälle versichert. Sie können keine Abredeversicherung abschliessen.

Wann endet die Versicherung für Nichtberufsunfälle?

Sie endet mit dem 30. Tag nach dem Tag, an dem der Anspruch auf mindestens den halben Lohn (50 % des Lohnes) aufhört.

Beispiel: Der Lohnanspruch endet am 30. November. Die Nachdeckung endet am 30. Dezember. Die Abredeversicherung muss ab dem 31. Dezember abgeschlossen werden.

Wie lange dauert die Abredeversicherung?

Sie kann für jeweils 30 Tage abgeschlossen werden. Eine kürzere Vertragsdauer ist nicht möglich. Die maximale Versicherungsdauer beträgt 180 Tage, also 6 × 30 Tage. Die Abredeversicherung endet vorzeitig, wenn jemand eine unselbstständige Erwerbstätigkeit von mindestens 8
Stunden pro Woche aufnimmt (Lehrpersonen 6 Lektionen). Eine zu viel einbezahlte Prämie wird nicht vergütet.

Wie schliesse ich eine Abredeversicherung ab?

Durch Zahlung der Prämie mit dem Formular Abredeversicherung (.pdf / 465.2 kB) . Die Prämie kostet CHF 40.– für 30 Tage. Sie muss am letzten Tag der Nachdeckung bei der Kantonalen Unfallversicherung eingetroffen sein. Wenn Sie die Prämie zu spät einzahlen, können wir Sie nicht versichern. Sobald die Prämie bei der Kantonalen Unfallversicherung eingegangen ist, erhalten Sie schriftlich eine Versicherungsbestätigung.

Welche Leistungen erbringt die Abredeversicherung?

Die Leistungen entsprechen denen der Obligatorischen Unfallversicherung.

Schulunfall

Was ist ein Schulunfall?

Als Schulunfall gelten zum Beispiel Unfälle, die sich wie folgt ereignen:

  • während der Unterrichtsstunden (inklusive Musikschule und freiwilligen Sportunterrichts) und der dazwischenliegenden Pausen.
  • auf dem direkten Weg zu und von der Schule; in der Zeit, die man hierfür normalerweise benötigt.
  • bei Schulveranstaltungen und -tätigkeiten ausserhalb der Schulgrundstücke; auf dem direkten Weg zum Besammlungsort oder zum Ort der Tätigkeit und zurück, in der Zeit, die man hierfür normalerweise benötigt.
  • während Freistunden (Zwischenstunden) sowie Mittagessen auf dem Schulareal oder in einem von der Schule zugewiesenen Lokal.
  • bei von der Schule organisierten Aktivitäten (Schulreise, Klassenlager, Exkursion usw.).
  • bei Umzügen, Aufführungen, Festen (inklusive Proben) sofern die Schule offiziell daran beteiligt ist.
  • bei Schuldienstkonsultationen (jugendpsychologischer und -psychiatrischer Dienst, Schulzahnpflege usw.).